Erinnerungen an 20 Jahre Quax in der Messestadt. Ein Interview mit Karl-Michael Brand

20 Jahre alt ist die Messestadt Riem, 20 Jahre schon gibt es Quax. Die Jugendeinrichtung mit dem sperrigen Namen „Zentrum für Freizeit und kulturelle Bildung“ war von Anfang an da, auch als das gelbschwarz-karierte Haus noch nicht gebaut war. Manche erinnern sich, wie der damals nur unwesentlich jüngere Karl-Michael Brand an der Promenade in luftiger Höhe an ein paar aneinander gelehnten Baumstämmen herumturnte: Das sollte ein Tipi werden, der erste Treffpunkt für die ersten Kids in der Messestadt. Seitdem hat sich viel getan. Die vor ihrer Rente für die SZ-Stadtviertelseiten für den Stadtbezirk Trudering-Riem zuständige Journalistin Renate Winkler-Schlang sprach mit Quax-Chef Brand über seine Erinnerungen und Erfahrungen.

Karl-Michael Brand packt Erinnerungen an 20 Jahre Quax in der Messestadt aus.

Herr Brand, Ihr Trägerverein Echo, der zehn Jahre vorher in Dachau gegründet worden war, hat den Zuschlag bekommen für die Kinder- und Jugendarbeit in der Messestadt. Warum war Ihr Konzept das Beste, wodurch unterschied es sich von anderen?
Also, der ECHO e.V. ist schon ein echtes Münchner Gewächs. Wir haben den Verein als Studenten 1990 gegründet, nachdem wir vorher zwei Jahre mit mobilen Projekten experimentiert hatten. Die Dependance in Dachau entstand mit der Entwicklung des dort neu gegründeten Kulturamtes zeitgleich mit dem Quax in der Messestadt. Doch nun zu Ihrer Frage: Wir hatten uns bereits in die Arbeitsgruppe zur Entwicklung eines Nutzerbedarfsprogramms aktiv eingebracht und hatten daher bei der Bewerbung sehr genaue Vorstellungen von der Interessenslage. Neu war an der Ausschreibung der klare Schwerpunkt in der kulturellen Bildung. Das war – wie die offene Ausschreibung selber – ein Novum und genau unser Thema. Die Kinder- und Jugendarbeit wurde in den folgenden Jahren immer mehr mit der Erwartung konfrontiert, einen lebendigen Beitrag zur Bildung zu liefern, anstatt Kids nur „aufzubewahren“…. Und wir waren eben inhaltlich genau schon da gestartet, wo der Diskurs aktuell hingeht. Ein bisschen wie in der Geschichte vom Hasen und vom Igel. Die Erfahrungen in den letzten Jahren haben uns und unserem rotzfrechen Ansatz der Gründertage hier Recht gegeben.

 

Das Quax ist noch im Bau, doch Mittelalter aufleben zu lassen, das geht auch im Freien. Rechts mit roter Mütze reißt übrigens “KM”, wie die Kids den Quax-Chef nennen, seinen Mund auf.
Die Anfänge auf der grünen Wiese, frei nach dem Motto: “A bissl was geht immer!”

Wie war Ihr erster Eindruck von dem neuen Stadtteil auf der alten Landebahn?
… ganz schön leer hier! Es gab ja nur die Lehrer-Wirth-Straße als Solitär in der Steppe …


Was konnten Sie anbieten, als es noch kein Haus gab?
Im ersten Jahr Kurse und Einzelveranstaltungen unter Mitnutzung von Räumen in Schule und Kindergärten und größere Einzelblockprojekte im Zirkuszelt auf dem Schulhof der Lehrer Wirth Schule, der damals ein Naherholungstreff der Messestadtpioniere war. Ab dem zweiten Jahr gab es einen Programmcontainer mit etwas Garten und Außenfläche. Dort stellten wir dann noch eine Blechhalle für größere Veranstaltungen und den ersten Tierbereich sowie einen Materialcontainer, eine Kletterwand und eine Außenbühne auf. Bei Bedarf kamen dann zeitweise noch unsere Zelte dazu. Da ging dann schon einiges an Veranstaltungen bis hin zu Mittelalterspielraum und erster Spielstadt.

Attacke! Diese Kids, die damals auf den Schultern ihrer Freizeit-Pädagogen kämpften, sind heute schon erwachsen. 
Mobil sein und improvisieren, so lautete nicht nur am Anfang die Devise.

Sie waren auch schon in den Bau des Hauses involviert und haben die Architekten zur einen oder anderen Umplanung „bezirzt“. War das nicht ein bisschen vermessen?
Eigentlich war das sogar der Auftrag, weil das Projekt eines von vier partizipativen Modellprojekten des Sozialreferates/Jugendamtes war. Das Problem war eher, dass das die Ausführungsreferate so nicht wussten und sich anfangs um unsere „Einmischungen“ nicht besonders kümmerten. Da half der gute persönliche Kontakt zur Architektin schon sehr, die einige unserer mit den Kindern entwickelten Ideen einfach gleich mit in ihre Vorschläge aufnahm.


Das Haus liegt am Park, ein Segen für die Jugendarbeit?
Unbedingt, weil der Park uns neben der großartigen Lage und Atmosphäre auch viele Möglichkeiten für mobile Projekte oder auch größere Events – und eben auch Synergieeffekte mit der Grünwerkstatt, dem Unterstand und dem Skate Parcours bietet.

Nicht nur die Kleinen waren und sind Zielgruppe vom Quax.

Warum haben Sie sich immer auch die Mühe gemacht, Tiere in die Arbeit zu integrieren?
Das haben wir bereits in den Zeiten vor Quax gemacht – mit den Ponys und Kleintieren, die wir auf einem kleinen Hof im Dachauer Hinterland hielten und mit deren Hilfe wir regelmäßig damals schon die heute allgemein anerkannte tiergestützte Pädagogik betrieben. Hunde gab es sowieso immer in unserem Kontext und die mussten dann halt auch „mitarbeiten“. Leider haben ja immer weniger Kinder im privaten Umfeld einen direkten Kontakt zu Tieren. Dabei können Tiere so viele positive Entwicklungen beeinflussen: Sie steigern das Verantwortungsbewusstsein, stärken das Selbstwertgefühl, fördern das Sozialverhalten und die motorischen Fähigkeiten, unterstützen kognitive Fähigkeiten, verbessern das Gruppenklima und fördern das Einhalten von Regeln und das Umweltbewusstsein.

Tiere als Magnet, schon auf dem diesem Vorläufer des Abenteuerspielplatzes! Das Quax im Hintergrund ist hier noch im Bau.

Es fällt auf, dass Ihr Kernteam stets sehr klein war. Die Messestadt galt aber schnell als der kinderreichste Stadtteil, wie geht das zusammen?
Mein Mentor Wolfgang Zacharias hat die Kulturelle Bildung immer als plurales, professionelles Handlungsfeld, bestimmt von Diffusität und Differenz beschrieben, die sich in der Vielfalt ihrer praktischen Anwendungen, Orte, Adressaten, Formate und Inhalte zeigt. Dafür braucht es viele verschiedene Zugänge etwa mit Künstler*innen und Theaterleuten ebenso wie mit Medienleuten und Pädagog*innen. Die lassen sich selbst in einem noch so großen Team nicht adäquat abbilden, schon gar nicht vor dem Hintergrund des neuerdings gepredigten Fachkräfteangebotes, das außerschulische Kinder- und Jugendarbeit weitgehend auf Sozialarbeiter*innen reduziert. Unser Konzept setzt auf wenige, sehr gut ausgebildete und festangestellte Mitarbeiter*innen mit geringer Personalfluktuation und dazu einen riesigen Pool von Spezialist*innen, aber auch Volunteers und Praktikant*innen – aus denen sich dann der Nachwuchs finden lässt.

Man muss die Feste feiern, wie sie fallen! Das Quax hat die Räume dazu.

Das Quax hat nicht nur Kinder und Jugendliche angesprochen, sondern anfangs oftmals die ganze Familie. War das nicht ein zu großer Spagat, die Jugend will doch auch mal ihre Ruhe vor den Eltern?
In der Anfangsphase der Containervorlaufes gab es in der Messestadt noch kein Kulturangebot mit Familie als Zielgruppe und noch sehr wenige Jugendliche, dafür aber extrem viele Kinder, die langsam zu Jugendlichen herangewachsen sind. Als dann die Kulturetage die Pforten öffnete, mit der wir eine gute Kooperation pflegen, hat sich das Thema Kultur für Erwachsene bei uns eher zurückentwickelt. Erst durch die Grünwerkstatt und jetzt den Kopfbau übernehmen wir hier wieder Nischenangebote (an anderen Orten). Aber dabei achten wir wie immer sehr darauf, uns nicht sinnlos in Konkurrenzen zu bestehenden Angeboten zu begeben.

 

Die Quax-Programme haben klangvoll-kreative Namen wie Gazettoni, Kaba-Klub… Wenn Sie zurückdenken: Gab und gibt es Lieblingsprogramme der Kinder und Jugendlichen, die einfach immer gut ankommen?
Da gab es sicher einige. Aber die Spitzenreiter sind sicher die Spielstädte, alles, was mit Zirkus zu tun hat, und der Bereich der Kunstwerkstätten.

Akrobaten, Sensationen: Starke Zirkuskünstler hoffen auf Applaus.
Zünftig verkleidet: Kann man mehr Spaß haben als gemeinsam hinter den Kulissen des Zirkus?

Ist spezielle Mädchenarbeit denn heute noch wichtig, oder war das nur eine „Phase“, als Girls-Angebote modern wurden?
Das war bei uns nie ein Thema, das sich die Kids von aktuellen pädagogischen Moden diktieren ließen. Mal fanden sie es interessant, mal eher nervig, dann wurde knallhart verweigert. Im Moment herrscht grad großes Interesse an inhaltlichen Programmen für Mädels (Kunst, Medien). Da kommt der Impuls aber tatsächlich von der Zielgruppe.

 

Und wie steht es in der Praxis mit der Inklusion?
Zu Anfang kamen wir aus einem Arbeitsfeld, in dem wir uns stark auf Menschen mit Behinderung fokussiert hatten und stellten fest, dass es in der Gründerzeit der Messestadt kaum Menschen mit Behinderung im Stadtteil gab, allerdings jede Menge Begegnung von Kulturen und Herkunftsnationen. Darauf haben wir uns dann gestürzt. Mittlerweile leben auch Menschen mit Behinderung im Stadtteil und grade in den Ferienmaßnahmen haben wir hier eine große Zahl begeisterter Nutzer*innen. Mittlerweile erleben wir immer mehr, dass sich die Zielgruppe viel mehr gemeinsam über den Stadtteil als Wohnort und Heimat definiert, als über nationale oder von Handicaps bestimmte Unterschiede. Das ist der Vorteil eines so lebendigen und vielschichtigen Stadtteils. Skater oder Hip-Hopper – das sind eher die Gräben, die schwer zu überbrücken sind.

Früh übt sich, was eine Künstlerin werden will. Die Vorbilder können nicht berühmt genug sein.

Sie haben die Kids auch in den Ferien nicht allein gelassen. Das war wohl in der als arm geltenden Messestadt-Bevölkerung besonders wichtig?
Das war eher eine Win-Win Entwicklung. Der Bedarf an Betreuung und inhaltlichem Angebot in den Ferien ist in der ganzen Stadt enorm gestiegen und die Ganztagsschule hat uns viele der großen Projekte am Nachmittag während der Schule verbaut, weil die Kinder einfach erst später Zeit hatten. So haben wir den Fokus geändert. Kleinteiliges, Niederschwelliges, Kurse etc. während der Schule und die großen Themen in den Ferien und am Wochenende oder – für die Jugendlichen – in den frühen Abendstunden. Unsere Ferienmaßnahmen sind übrigens kein reines Quax-Angebot, sondern richten sich an Kinder-und Jugendliche aus der ganzen Stadt und werden auch so genutzt.

Großer Auftritt, dafür bietet das Quax immer eine Bühne!

Im Rest der Stadt hatte die Messestadt zwischendurch mal einen schlechten Ruf als Schuhschachtel-Architektur mit Problem-Bewohnern. Sie haben mit viel Herzblut viel getan gegen diesen „Ghetto“-Vorwurf und die Dämonisierung der sogenannten „Mauer-Kids“, die sich auf dem Platz der Menschenrechte trafen. Warum? Und vor allem: Wie?
Der Anstoß kam hier tatsächlich auch wieder von betroffenen Jugendlichen und wir haben den Ball nur aufgenommen. Wichtig war eine offensive Öffentlichkeitsarbeit – als Mittel dafür diente ganz oft auch „Unsere Messestadt“ als Plattform, der es immer wieder einmal gelang, die „großen“ Medien anzufixen, sich das Thema doch etwas genauer zu betrachten. Allen voran eine engagierte Lokaljournalistin der SZ namens Winkler-Schlang. Ein weiterer wichtiger Schritt war immer wieder die Organisation von Begegnungen zwischen „Problemjugendlichen“ und der Politik auf allen Ebenen.

 

Hatten Sie denn wenigstens die örtliche Polizei dabei immer auf Ihrer Seite? Fanden Sie im Rathaus genug Unterstützung?
Es gibt hier ja eine durchaus dualistische Wahrnehmung von Berufsbildern: Die helfende und sorgende Sozialarbeit auf der einen Seite und die Polizei als kontrollierend-repressiv, auch mit physischer Gewalt auftretende Ordnungsmacht des Staates auf der anderen Seite. Auf diese Klischees haben wir und die Polizei vor Ort uns nie eingelassen. Es gab immer eine weitgehend gute Gesprächsebene zur Polizeiinspektion und eine sehr rigide durchgesetzte Hausordnung im Quax, die Polizei als Ordnungskraft im Haus zu einer extremen Ausnahme machte, weil es einfach keine Notwendigkeit gab. Auf der anderen Seite luden wir die Jugendbeamt*innen immer wieder zum Austausch mit den Jugendlichen ein. Natürlich war man nicht immer einer Meinung und wir waren zum Beispiel nicht besonders glücklich über präventiv-provokantes Verhalten etwa der USK-Einheiten. Aber das war tatsächlich eher die Ausnahme und hatte wohl auch den Grund, dass diese Kräfte den Stadtteil nicht kennen. Unser Verhältnis zum Rathaus war immer von wechselnden, teilweise antizyklisch entstandenen Mehrheitsverhältnissen bei Beschlüssen geprägt (quer durch die Fraktionen), was uns sehr stolz macht, weil es zeigt, dass es gelungen ist, einen sachlichen Diskurs mit der Politik zu führen, der über Parteipolitik weit hinausging. Ein sehr vertrauensvolles und konstruktiver Verhältnis hatte der Verein immer zum Bezirksausschuss Trudering-Riem.

 

Wie vernetzt sind Sie mit anderen Messestadt-Einrichtungen wie zum Beispiel Streetwork, Kulturetage…?
Es ist eine Besonderheit der Szene im Stadtteil, dass hier alle mit allen extrem gut vernetzt sind – auch strukturell durch den Runden Tisch und die Regsam Arbeitskreise – und wir sind hier ganz sicher keine Ausnahme, weil das genau die Philosophie des Trägervereins ist.

 

Schnell ist aufgefallen, dass sich Quax nicht aufs Quax beschränkt: Es gab Mitmach-Programme für die Gestaltung der sogenannten „Weißen Flächen“, mobile Angebote, es entstand eine Dependance im Osten der Messestadt, auch drüben in Riem war Quax vertreten, Sie sind in den Schulen aktiv, später kam die Grünwerkstatt dazu, demnächst mischen Sie maßgeblich beim Kopfbau mit.  Haben Sie das immer freiwillig getan oder war das Quax einfach stets die städtische „Wunderwaffe“ für alle Angebots-Lücken? Haben Sie sich da nicht manchmal ein bisschen übernommen oder verzettelt?
Eine gute Frage. Nein, man hat uns nicht gezwungen… Übernommen haben wir uns vielleicht manchmal schon (wenn wir zu schnell gewachsen sind), aber es ist einfach immer wieder gelungen, da, wo´s gewackelt hat, unterzubauen, weil wir Zugriff auf diesen wunderbaren Pool von Menschen hatten, die mit uns über viele Jahre in verschiedensten Konstrukten zusammenarbeiten. Aber manchmal muss man sich auch organisatorisch von Themen oder Projekten trennen. Und das ist nicht immer eine Niederlage, ganz im Gegenteil. Wir haben zum Beispiel die Bildungswerkstatt, also den Schulservice 2019 ausgegründet und so entstand ein eigener, lebendiger und völlig unabhängiger Verein, der sein Thema so viel freier bearbeiten kann. Und ECHO e.V. hatte den Rücken und die Hände wieder frei fürs eigentliche Kerngeschäft der außerschulischen Arbeit. Anders wäre tatsächlich das Experiment Kopfbau für uns nicht möglich gewesen. Die Naturstation war finanziell so nicht länger haltbar, weil die benötigten Stiftungszuschüsse ausliefen und die Organisation über die weite Distanz immer anstrengender wurde. Aber die Projekte haben alle überlebt und sind ins Programm der Grünwerkstatt eingegangen.

 

Lassen Sie uns auch noch über Geld reden. Das reicht ja bekanntlich nie und Sie haben schnell versucht, etwa Stiftungen anzuzapfen oder bei Wettbewerben mitzumachen. Hat sich dieser Aufwand fürs Quax gelohnt? Stichwort Unterstand.
Unsere Fundraising-Politik hat sich inhaltlich extrem gelohnt, weil sie immer wieder die Beinfreiheit garantiert hat, neue Dinge auszuprobieren und dem eigenen Anspruch der Innovationsschmiede treu zu bleiben. Der Unterstand hat als Problemkreis nichts mit Geld zu tun, sondern mit schwerfälligen Entscheidungsverläufen in der Kommunalverwaltung, die für Partizipation extrem ungünstig sind, weil Ergebnisse erst dann sichtbar werden, wenn die Impulsgeber*innen längst aus dem Alter raus sind, wo sie das Thema interessierte. Das ist schade, weil es die Beteiligten frustriert und für weiteres politisches oder bürgerschaftliches Engagement schwer motivierbar macht.

 

Ihre ersten Besucher sind längst junge Erwachsene. Treffen Sie manche davon noch heute?
In der Tat und ziemlich oft. Es gibt ehemalige Kinder- und Jugendliche, die heute noch für uns als Übungsleiter arbeiten, einige, deren Berufswahl wir sogar beeinflussen konnten, andere sind mittlerweile selber Eltern und tauchen mit den eigenen Sprösslingen wieder auf.
Jüngst haben Jenny Gray, die Leiterin des Kinderbereichs, und ich einen Artikel für ein Buchprojekt verfasst, in dem wir Interviews mit ehemaligen Jugendlichen über ihre Bildungsbiographien zusammenführten. Das war eine sehr beglückende Erfahrung.

 

Sie wohnen selbst nicht in der Messestadt, was ist für Sie hier die schönste Ecke?
Überall da, wo atmosphärisch geglückte Rauminszenierung – geplant oder gewachsen – Begegnungen im Kleinen fördert. Das sind oft Innenhöfe oder bestimmte Bereiche im Park, verkehrsberuhigte Zonen im urbanen Raum und natürlich das Quax…

 

Was würden Sie mit Ihrer Erfahrung den Planern neuer Stadtviertel ins Stammbuch schreiben?
Mehr kleinteilige Infrastruktur für ein lebendiges Quartier mit einplanen.

 

Was würden Sie selbst heute vielleicht anders machen und welche sind Ihre schönsten Erinnerungen?
Vielleicht wäre ich mit meinen heutigen Erfahrungen manchmal geduldiger und diplomatischer. Na, ja, vielleicht auch nicht überall. Aber die Schlagzahl war für uns alle manchmal schon ganz schön hoch. Die glücklichsten Erinnerungen haben immer mit dem tollen Team zu tun, das aus sich heraus immer wieder originelle Ideen nicht nur entwickelt, sondern auch verwirklicht hat. Und dabei war immer wieder eine andere Person der Impulsgeber und Motor. Das Projekt ist das Team und das Team macht das Projekt. Danke an alle, die sich so lange Jahre darauf eingelassen haben.

 

Sie sind heute auch 20 Jahre älter als vor 20 Jahren. Fühlen Sie sich als „Berufsjugendlicher“?
Das war ich nie. Ich bin der Ansicht, wenn man als Person authentisch ist, wird man respektiert. Darum bemühe ich mich. Aber natürlich verändern sich Aufgabenbereiche mit zunehmendem Alter. Und für bestimmte Positionen braucht’s auch richtig junge Leute. Dieser Generationswechsel hat aber bisher immer sehr reibungslos geklappt, ohne dass die Erfahrenen dabei verloren gegangen wären. (auch ein Vorteil so eines dynamischen Ladens)

 

Endlich, nach 20 Jahren, entstehen die weiterführenden Schulen im Stadtteil. Werden diese Ihre Arbeit verändern? Was muss jetzt, in dieser Phase der Messestadt, Ihrer Meinung nach, dringend noch kommen?
Ich glaube nicht, dass die Schulen unsere Arbeit sehr verändern werden. Es bleiben mehr Kinder und Jugendliche im Stadtteil, es gibt neue Kooperationsmöglichkeiten, mit dem neuen Bauabschnitt nimmt die Bevölkerung noch einmal zu und wir werden sicherlich mit neuen Herausforderungen konfrontiert werden. Aber dieser Wandel und die Anpassung an neue Gegebenheiten ist unser Alltag. Ich freue mich auf ein neues Ortszentrum für den Stadtteil mit kleinteiligeren Strukturen und hoffe, dass davon neue Impulse in den Stadtteil wirken können. Ich finde es wichtig, noch mehr Platz für kulturelle Eigeninitiativen der Bewohner*innen zu haben und begrüße alles, was die Messestadt noch mehr zum Lebensraum macht und von der „Schlafstadt“ wegentwickelt.

 

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